Studienreisen

Kulturreise durch Franken und Thüringen

Spielzeug, Porzellan und eine Oper von Wagner

Die Frühjahrsreise des Westallgäuer Heimatvereins führte diesmal nach Suhl in Thüringen. Im voll besetzten Bus war die erste Station die fränkische Weinstadt Volkach. Bei einer Stadtführung wurden den 51 Interessierten die historischen und kulturellen Fakten nähergebracht. Nach dem Mittagessen ging es weiter zum heiligen Berg der Franken, dem Kreuzberg in der Rhön. Für viele der älteren Teilnehmer waren die 294 Stufen zu den drei Golgatha-Kreuzen am Gipfel kein Problem. Wer sich nicht so fit fühlte, konnte in der Zwischenzeit das Kloster besichtigen. Dabei wurde auch das süffige Bier der Klosterbrüder probiert: Der Kreuzbergbräu ist die einzige von den Franziskanern betriebene Brauerei in Deutschland.

Der zweite Tag führte tief in den Thüringer Wald zu den Feengrotten bei Saalfeld. Das schon im Mittelalter betriebene Alaunschieferbergwerk hatte sich nach einem über 100-jährigen Dornröschenschlaf in eine Wunderwelt von Farben verwandelt, als es 1910 wieder entdeckt und für Besucher erschlossen wurde. Staunend stand die Reisegruppe in der letzten und größten Grotte, die Richard Wagner zum Bühnenbild für seine Oper Thannhäuser inspirierte. Eine Besichtigungstour im größten Porzellanwerk Thüringens in Kahla und der Besuch des modernen Porzellanmuseums auf der Leuchtenburg rundeten den Tag ab.

Zu einem Höhepunkt entwickelte sich der Abend in Suhl. Da zufällig Schausteller ihre Zelte in unmittelbarer Nähe zum Hotel aufgeschlagen hatten, entschloss sich Reiseleiterin Barbara Bernhard, die gesamte Reisegruppe zu einer spontanen Fahrt auf dem 36 Meter hohen Riesenrad einzuladen. Zum ausgehandelten Kindertarif durften die Westallgäuer Senioren einige Runden drehen. „Das macht ja einen Heidenspaß! Jetzt musste ich 80 Jahre alt werden, um einmal auf so einem Rad zu fahren!“, gab eine Teilnehmerin zum Besten.

Am Abschlusstag fuhr die Reisegruppe mit der Oberweißbacher Bergbahn, die von einem Kabel gezogen 323 Höhenmeter auf einer Strecke von 1,4 Kilometer überwindet. Das technische Denkmal wird als einzige Bergbahn von der Deutschen Bahn betrieben. Der Besuch des Deutschen Spielwarenmuseums in Sonneberg rundete das Besichtigungsprogramm in Südthüringen ab. Weit über 100.000 Exponate, darunter Eisenbahnen, Zinnfiguren, Puppen, Teddybären, entführten die Westallgäuer in ihre Jugendzeit. Höhepunkt war dabei die Schaugruppe „Thüringer Kirmes“. Mit rund 70 lebensecht wirkenden Figuren stellt sie ein typisches ländliches Volksfest der thüringisch-fränkischen Region in der Zeit um 1900 dar. Die Schaugruppe entstand zum Anlass der Weltausstellung 1910 in Brüssel, um die Sonneberger Spielzeugindustrie in aller Welt bekannt zu machen. Nach dem Mittagessen in Rödental und einem Spaziergang zum nahen Werksverkauf der bekannten „Hummel-Figuren“ kamen die Kulturreisenden am Abend wieder wohlbehalten in Weiler an.

INFOPUNKT: Die Herbstreise des Westallgäuer Heimatvereins führt im September rund um den Gardasee.